© Tim Wegner

Mike Bouchet

Der Biennale-Star

Wie ein Kalifornier aus Offenbach in Venedig Karriere machte.

Mike Bouchet lacht. Andere hätten geweint. Gerade ist sein Einfamilienhaus untergegangen. Untergegangen? Ja. Der amerikanische Künstler Mike Bouchet hatte für die letztjährige Biennale in Venedig ein typisch US-amerikanisches Einfamilienhaus konstruiert. Es sollte im Kanal am Arsenale schwimmen und den Traum von Eigenständigkeit und Individualität symbolisieren – als kommerzielle Illusion. Aber bei der Installation sank das Objekt „Watershed" – zu sehen als Youtube-Video unter dem Titel „Venice Biennale's floating house shipwrec". Die italienische Marine deklarierte das Haus nach einigen Diskussionen als Schiffswrack – mit der Auflage allerdings, es schon bis zum kommenden Tag zu bergen. Und das gelang. „Ich war begeistert von dem Haus und wie es aussah, als es aus dem Wasser kam", sagt Bouchet. „Wow, it's done! Das Haus hat durch die Aktion erst meine Signatur erhalten." Er hat es bewusst nicht wieder in den Ursprungszustand zurückversetzt.

Mike Bouchet amüsiert sich noch immer über die Umstände, die ihm weltweite Aufmerksamkeit gebracht und ihn zum Star der Biennale di Venezia gemacht haben. Jetzt sitzt er mit der für ihn charakteristischen Kopfbedeckung, der Schiebermütze, in seinem großräumigen Offenbacher Atelier – zwischen Holzskulpturen, Ölgemälden und einer Palette Kataloge. Hier arbeitet er, in Frankfurt lebt er. Ein ehemaliger Kunststudent der University of California in Los Angeles (UCLA) in FrankfurtRheinMain. Er hatte in der Werbung gearbeitet und sich nach 1999 in New York auf Performance und Objekte konzentriert, als er auf einer Ausstellung seine heutige Frau, eine Frankfurter Galeristin, kennenlernte. 2004 zog es den 1970 geborenen Kalifornier dann an den Main. Inzwischen haben die beiden zwei Söhne. Was ist in der „alten Welt" anders für den Kunstschaffenden? „Bis auf wenige Menschen in ein paar großen Städten interessiert sich in den USA niemand für Kunst", sagt Bouchet. „Wenn ich bei einer Firma wegen Material angerufen habe, meldete ich mich immer als Filmemacher oder Designstudent. Wenn ich gesagt hätte, ich sei Künstler, hätten sie sofort aufgelegt. Das ist hier anders." Selbst die ausgefallensten Materialien wie Fiberglas für seine Arbeiten und Installationen findet er in FrankfurtRheinMain. „Hier bin ich ein Kunde wie BMW und Ferrari." Darüber hinaus sei die Kunstszene in FrankfurtRheinMain sehr international, die Ateliers seien billig und das Leben mit der Familie wesentlich einfacher als in amerikanischen Großstädten. Man merkt, der Mann fühlt sich wohl.

Ein weiterer Pluspunkt für ihn als Vielreisenden: die gute Infrastruktur. Bouchet ist ein Fan von Hauptbahnhof und Flughafen. Sein nächster großer Auftritt findet allerdings fast vor seiner Haustür statt. Die Kunsthalle Schirn zeigt vom 1. Juli bis zum 12. September 2010 die Ausstellung „Mike Bouchet – Neues Wohnen". Dort stellt der Künstler Bauteile des untergegangenen Hauses in einer neuen Konstellation als Skulpturengruppe aus – schwimmend oder im Raum schwebend. Danach geht's auf Tour, nach Wien, Paris und München.

Martin Orth, FRM