Seoul am Main
Die koreanische Community in FRM
Wie die große koreanische Business-Community in FrankfurtRheinMain lebt und was sie an der Region schätzt
J. P. Choi ist eines der jüngeren Mitglieder der koreanischen Business-Community in FrankfurtRheinMain. Aber der 50-Jährige fühlt sich schon wie zu Hause. „Wenn ein Neuer kommt, wird er innerhalb einer Woche in die Gemeinschaft eingeführt“, sagt der Manager. Über 6000 Koreaner leben in der Region, darunter Ärzte, Anwälte, Friseure und Köche. Sie verfügen über ein enges Netzwerk, treffen sich bei Samstagsschulen, in Religionsgemeinschaften, Vereinen – und natürlich beim Golf.
J. P. Choi baut in Eschborn das europäische Headquarter von Nexen Tire, einem stark expandierenden koreanischen Reifenhersteller, auf. „Wir sind in der letzten Dekade um das Fünffache gewachsen und wollen langfristig unter die großen sieben der Welt“, sagt der CEO. FrankfurtRheinMain ist für ihn der ideale Standort, um neue Märkte zwischen London und Wladiwostok zu erschließen. Die Infrastruktur ist perfekt, der Airport das Drehkreuz. Allein drei Direktflüge starten täglich von Frankfurt nach Seoul. Und für einen Automobilzulieferer ist Deutschland ohnehin ein Muss.
Fast alle großen koreanischen konzerne sind in FrankfurtRheinMain mit Deutschland- oder Europa-Zentralen vertreten – von Hyundai und Kia über Samsung bis LG. Hinzu kommen Bankrepräsentanzen, die koreanische Handelskammer für Europa, die nationale Tourismus-Agentur. . . Die Büros konzentrieren sich in Eschborn und im Frankfurter Stadtteil Niederrad. Ein Drittel der koreanischen Expats lebt in Frankfurt, die Geschäftsleute bevorzugen die Taunuslagen von Kronberg, Königstein und Bad Homburg.
Die erste Generation kam vor gut 30 Jahren nach Deutschland. So wie Yun-Hi Lee, 59. Sie arbeitete zunächst als Krankenschwester, ihr Mann als Bergarbeiter. Inzwischen betreibt sie ein florierendes Maklerbüro für neu Ankommende. Ihre Tochter Ji-Hyun, 30, wurde zwar in Korea geboren, wuchs aber in Offenbach auf und begeisterte sich früh für die deutsche Sprache. Heute studiert sie Germanistik an der Goethe-Universität Frankfurt.
Die zweite Generation ist in FrankfurtRheinMain längst integriert. Dong-Hyun Hong, genannt „Dee“, 32, ist schon zum zweiten Mal hier. Erst kam er als Vierjähriger mit seiner Familie. Nach der Rückkehr 1987 kehrte er alleine zurück, um an der Uni Frankfurt Sportmanagement zu studieren. Vor drei Jahren gründete er mit Freunden den FC Korea, einen Fußballverein, der in der Kreisliga B spielt. Schon als Kind schwärmte er von Eintracht Frankfurt, dem Verein von Bum-Kun Cha.
Anna Cho, 28, wurde gar in Deutschland geboren. Nach einem BWL-Studium in Bad Homburg arbeitet sie nun bei einer Bank. Wenn Sie in Korea sei, sagt Anna, vermisse sie die deutsche Küche – vor allem Brot, Brötchen und Käse. In Deutschland muss sie auf die koreanische Küche nicht verzichten. Gemeinsam mit ihren Eltern betreibt sie das koreanische Spitzenrestaurant „Kang Nam“. Der Name bezeichnet ein Prominentenviertel in Seoul und bedeutet so viel wie „Südlich des Flusses“. Das passt. Denn das Restaurant liegt südlich des Mains in Niederrad, wo etwa ein Dutzend koreanische Firmen angesiedelt sind. Die koreanische Community geht hier ein und aus - vom Konsul über den Geschäftsmann bis zum Studenten.
Martin Orth