Sebastian Vettel
Home Run an der Bergstraße
Stau an der Rennstrecke. 120.000 Menschen wollten Sebastian Vettel am Sonntag beim „Home Run" in seiner Heimatstadt Heppenheim erleben. Mehr als zum kommenden Rennen in Hockenheim erwartet werden. Die Polizei musste zeitweise die Auf- und Abfahrt zur A5 sperren. Gegen Mittag hatten jedoch alle Fans ihren Platz an der provisorisch abgesperrten Rennstrecke gefunden, hinter den Gittern, auf den Balkonen und an den Fenstern entlang der Ludwigstraße. Transparente grüßten den berühmten Sohn der Stadt. Dann kam der lang erwartete Moment. Sebastian Vettel bog auf einem Quad um kurz vor 14 Uhr vom Parkhof in die Ludwigstraße ein. Der Jubel kannte keine Grenzen. „Sebastian, Sebastian", hallte es von allen Seiten. „Sonnyboy" Vettel fuhr auf zwei Rädern, winkte in die Menge, verteilte Autogramme. Und stellte sich schließlich auf das Quad, um Fotos für sein eigenes Familienalbum zu machen. Es war erst der Auftakt der größten Veranstaltung, die Heppenheim je gesehen hat. Es war aber auch schon ein rührender Höhepunkt – für die Fans wie für Vettel selbst. „Sensationell, gigantisch, überragend", sagte er später.
Die Heimatverbundenheit des Formel-1-Rennfahrers, der heute in der Schweiz lebt, ist bekannt. „Ich bekomme viel zu sehen, es gibt schönere Flecken", sagte er, „aber Heppenheim ist meine Nummer eins." Er freue sich jedes Mal, wenn er nach Hause komme. „Wenn ich von der Autobahn abfahre und das Schild lese, dann weiß ich, dass ich bald daheim bin." Daheim, das heißt für ihn Freunde, Familie, Hessisch sprechen und heimische Küche genießen. Kartoffelgemüse von seiner Mutter zum Beispiel. Am Sonntag konnte sich Vettel in das Goldene Buch der Stadt eintragen. „Botschafter der Bergstraße" ist er schon seit 2006. Vettel hatte sich diesen Home Run gewünscht. Er hatte aber auch Lampenfieber. „Es ist ein bisschen aufregender, wenn Leute im Publikum sitzen, die man kennt, besonders wenn es die Eltern und Freund sind." Darüber hinaus ist es natürlich etwas ganz Besonderes, mit einem Formel-1-Auto außerhalb des Rennkurses zu fahren. „Es gab schön öfters Show Runs am Strand oder in abgesperrten Gebieten, aber dass jemand mal in seiner Heimatstadt gefahren ist, davon weiß ich nichts. Mit Sicherheit nicht hier in Heppenheim."
Zunächst durften aber Freunde und Teamkollegen auf die Strecke mitten in dem 25.000-Einwohner-Städtchen am Odenwald. Chris Pfeiffer zeigte atemberaubende Motorrad-Stunts, Smudo von den „Fantastischen Vier" drehte seine Runden in einem Rennwagen und Mattias Ekström heizte im DTM-Audi die etwa ein Kilometer lange Strecke ein. Kurz nach 16 Uhr kündigte sich mit ohrenbetäubendem Lärm der Höhepunkt an. Vettel schoss mit seinem 750-PS-Boliden die Ludwigstraße Richtung Stadion hoch. An den Wendepunkten zeigte er mehrfach seine Fahrkunst und hinterließ deutliche Spuren auf dem Asphalt, um schließlich nach kreischendem Kreisfahren im Qualm der Reifen zu verschwinden. Spätestens danach war es um die Ordnung an der Strecke geschehen. Sebastian Vettel sprang aus seinem Auto und wurde sofort von Kindern und Jugendlichen umzingelt. Autogramme werfend rannte er zum Podium. Und verabschiedet sich mit seinem Team auf Hessisch. „,Alla, machs gut', sagt man hier".
Martin Orth/FRM