© Tim Wegner

Crytek

Die Spiele-Entwickler

Wie drei junge Männer aus der Provinz in Frankfurt zu Stars der Spielebranche wurden.

Cevat sprintet den Gang entlang. Nicht hektisch, aber doch mit Blick auf die Uhr. Gleich geht sein Flieger in die USA. In Kalifornien trifft er seine Partner von Electronic Arts (EA), einem der weltweit größten Unternehmen für Computer- und Videospiele. Die Verabschiedung des globalen Marketingplans für „Crysis 2" steht auf der Tagesordnung. Dann geht es weiter nach New York. Dort wird Cevat der internationalen Entertainment-Presse das neue Spiel vorstellen – und erklären, warum es der „Hit des Jahrtausends" wird. Cevat Yerli, im Polohemd und mit einer kleinen Cola-Flasche in der Hand, wirkt jugendlich, sympathisch und ansteckend enthusiastisch. Nicht ohne Grund. Er ist CEO von Crytek. Die Firma mit Sitz an der Hanauer Landstraße gehört in der Games-Welt zu den ganz Großen. Mit „Crysis 2" ist ihr wieder ein Coup gelungen, eine neue Dimension in der angesagten Welt der virtuellen Spiele, schwärmt Cevat. „Das Spiel stellt grafisch alles bisher Dagewesene in den Schatten und verleiht dem Begriff Fotorealismus eine völlig neue Bedeutung." Die Entwicklung hat das Potential, die Entertainment-Branche zu revolutionieren.

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte der drei Brüder Cevat, Avni und Faruk Yerli in Coburg. Würden sie nicht so unverschämt gut aussehen, hätte man die Söhne türkischer Eltern als Computernerds bezeichnen können. Am liebsten spielten sie den ganzen Tag am PC. Damals nicht gerade die aussichtsreichste Grundlage für eine große Karriere. Aus ihrer Leidenschaft wird ihre Geschäftsidee: Spiele entwickeln. 2004 kommt der Durchbruch für die Autodidakten. Ihr erstes Produkt, „Far Cry", verkauft sich 2,7 Millionen Mal. Die Branche wird hellhörig. Und die Yerli-Brüder legen nach, entwickeln für „Crysis" und „Crysis Warhead" überzeugende Cutting-Edge-Technologie und grafische Innovationen. 2006 der Umzug nach Frankfurt. Cevat, dem kreativen Kopf des Trios, war das Pendeln vom Flughafen in die oberfränkische Provinz zu viel geworden. „Hier haben wir die Verkehrsinfrastruktur und den Internetknotenpunkt", sagt Cevat. Der ist wichtig, denn die von Crytek entwickelte CryEngine wird zunehmend von der Industrie für Simulationen und Filme genutzt. Es handelt sich um eine eigenständige Software, auf Basis derer man ein komplettes Spiel entwickeln kann. Sie ist das Herzstück eines Spiels, vergleichbar mit dem Motor eines Autos. „Die neueste Version kann sogar problemlos stereoskopisches 3-D darstellen." Crytek in der ehemaligen Jade-Fabrik an der Hanauer Landstraße ist das Spitzenunternehmen der Games-Szene in FrankfurtRheinMain. Auf zwei Etagen arbeiten 300 Entwickler, Grafiker und Programmierer aus mehr als 30 Nationen in abgedunkelten offenen Räumen. Weitere 300 Mitarbeiter beschäftigen die Tochterstudios in Kiew, Budapest, Sofia, Seoul und Nottingham. Faruk koordiniert die Standorte, Avni kümmert sich ums Geschäft. Dieses Jahr soll der Umsatz trotz der schwierigen Lage auf dem Spielemarkt weiter steigen. Cevat hat die Zukunft im Blick: „Wir haben noch fünf Projekte in der Pipeline."

Martin Orth, FRM