Hartmut Schwesinger
Über Marketing für FRM
Ein FRM-Gespräch mit dem Geschäftsführer der FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region über das Zusammenwachsen der Region und die Sicht von außen.
Herr Dr. Schwesinger, seit fünf Jahren gibt es die FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region. Wie hat sich die Region, für die Sie als Geschäftsführer werben, in diesen fünf Jahren verändert?
Die Region hat unzweifelhaft große Schritte nach vorn gemacht. Das hat, nicht nur, aber auch mit dem Generationenwechsel der Verantwortlichen in der Region zu tun. Viele der jungen Politikerinnen und Politiker, die heute Verantwortung für die Entwicklung von FrankfurtRheinMain tragen, sind frei davon, auf die tradierten Spannungsverhältnisse in der Region einzugehen.
FrankfurtRheinMain ist natürlich nicht allein. National und international formieren sich immer mehr Städte und Regionen zum Wettbewerb der Metropolen. Spielt FrankfurtRheinMain schon in der europäischen Königsklasse?
Wir spielen natürlich in der Königsklasse, wobei das Ausland uns vor allem mit dem Namen der Kernstadt identifiziert. Es gibt ja die wissenschaftliche These, dass wir eine Renaissance der Stadtstaaten erleben, die vielfach die Dimension von Regionen haben.
Wie erfolgreich wird FRM denn international vermarktet. Kann man den Erfolg messen?
Das kann man eindeutig messen: Nehmen Sie zum Beispiel die internationalen Ansiedlungen der jüngsten Zeit in unserer Region. Die fünf größten chinesischen Banken sind jetzt in Frankfurt zu Hause. Gerade erst haben wir die größte vietnamesische Bank für Frankfurt gewinnen können. Dass die größte Privatbank Indiens, die ICICI-Bank neuerdings hier vor Ort ist, zeigt die Anziehungskraft allein im Finanzsektor. Im Softwarebereich sind wir für indische Software-Companies das Tor nach Europa. In der Games-Industrie spielen wir ebenfalls eine starke Rolle. Unsere Stärken, Internationalität, Offenheit und Infrastruktur, sind ein Plus für viele Bereiche.
Als Finanzzentrum ist Frankfurt etabliert. In welchen Feldern sehen Sie zusätzliche Chancen. Ein neuer Markt, die Kreativwirtschaft zum Beispiel, ist international hart umkämpft.
Es ist wichtig, uns bewusst zu machen, wo wir hier stehen. Nehmen Sie den Kongress des Art Directors Club Deutschland (ADC) in diesem Jahr. Das war ein sensationeller Erfolg und hat uns alle – und besonders die Initiatoren, die diesen Gipfel der Kreativität nach Frankfurt geholt haben – sehr positiv überrascht. Es kamen mehr Besucher als früher nach Berlin und die Resonanz der Besucher auf Frankfurt war ausgesprochen gut.
Wie wirbt man am besten für die Region?
Traditionell sicher nicht. Wir wollen innovativer und auch origineller sein als andere. Das ist unser großes Ziel. Im Standortmarketing erzählen wir alle doch sehr ähnliche Stories und leiden dann unter dem Superlativ-Syndrom. Wir sind alle die Besten, die Schönsten, die Feinsten. Mit unserem neuen, explorativen Webportal www.frankfurt-rhein-main.net sind wir an der Spitze der technologischen Entwicklung und erzählen zugleich Geschichten, um die Region erlebbar und transparent zu machen. Dazu gehören auch unsere Youtube-Touren. Alles Dinge, die international im Standortmarketing Maßstäbe setzen.
Wie sehen Sie die Rolle der FrankfurtRheinMain International Marketing of the Region GmbH im Prozess der Identitätsfindung der Region?
Wir haben natürlich eine gewisse Rolle darin, da wir die Stärken der Region insgesamt nach außen tragen und dies nach innen kommunizieren. Durch die an der Sache orientierten Diskussionen der Verantwortlichen in unserem Aufsichtsrat ist das Verständnis füreinander, glaube ich, deutlich gewachsen. Dabei hat unsere Gesellschaft wie ein Katalysator gewirkt: Der Prozess des Zusammenwachsens der Region wurde beschleunigt, ohne dass wir eine aktive Rolle daran hatten.
Das sagen Sie als promovierter Chemiker. Aber wie sieht die nähere Zukunft aus? Was sind die Ziele und die Herausforderungen für das FRM-Standortmarketing?
Deutschland hat als Lokomotive Europas einen ausgezeichneten Ruf. FrankfurtRheinMain als das Finanz- und Wirtschaftszentrum unseres Landes wird sich daher nach außen noch stärker positionieren müssen. Das andere ist, dass der Schwerpunkt des weltwirtschaftlichen Geschehens sich in den pazifischen Raum verlagert. Darauf müssen wir uns aktiv einstellen. Bisher ist uns das schon gut gelungen.
Peter Hintereder









