© Jonas Ratermann/FRM

Think wrong

Das „Project M“ in FRM

Das internationale Kreativ-Camp suchte nach dem kreativen Brückenschlag zwischen Kunst, Kommerz und Kapital

Wäre es nicht phantastisch sich die Welt einmal so vorzustellen? Aus „Geldbrunnen“ sprudeln Euros und Cents auf die Bürger herab; mitten im finanzplatzzappeligen Herzen von „Offenfurt“ öffnet die „Bank der Ideen“. Als Zahlungsmittel akzeptiert diese Community Bank ausschließlich Erfindungsreichtum, Kreativität und Investment in soziale Dividenden. In dieser Bank würde die rationale Sprache der Finanzmenschen auf das emotional-sinnliche Vokabular der Kreativen treffen, allmählich mutieren und neue Synergien entwickeln. Nachts würden alle zusammen dem fiebrigen, zuckenden Elektrosound von „Tropical L“ erliegen und im „Robert-Johnson“ live und laut dem Sonnenaufgang über „Hafenbach“ entgegentanzen. Und über allem würde eine imaginäre „Wunschwahrwerdglückswassergeldmaschine“ schweben. Think wrong! Think wrong am Main! Unmögliches denken, den Herausforderungen der Zukunft schöpferisch begegnen – außerhalb der konventionellen Muster, ergebnisoffen und als eine direkte Reaktion und Reflexion auf den Ort: Für 40 junge Design-Talente aus aller Welt war „Think wrong“ der „Auftrag“ des „Project M“. Zwei Wochen lang hatten sie die Möglichkeit in einer Containerstadt am Hafen Offenbach dem sanften Imperativ von John Bielenberg („We just want to change the world“) zu folgen für den kreativen Brückenschlag zwischen Kunst, Kommerz und Kapital. Seit 2003 ist der US-amerikanische Design-Professor mit seinem Non-Profit-Sommer-Kreativ-Camp an spannenden Orten weltweit unterwegs – im Regenwald Costa Ricas, in New Orleans nach dem Wirbelsturm „Catherina“, in Ghana, Island und an der von der Ölkatastrophe bedrohten Küste Alabamas.

Was reizt Bielenberg, der mit seinem offenen Konzept dazu auffordert, ästhetische Trampelpfade zu verlassen, gegen Konvention zu verstoßen, an FrankfurtRheinMain? „Ich kannte Frankfurt nur als Airport-Hub. Erst im Frühjahr habe ich die Region besser kennengelernt. Das Leben zwischen subkultureller Kreativszene und globaler Businesswelt bietet eine hervorragende Plattform, um den Status Quo unserer Gesellschaft in Frage zu stellen und neue Ideen zu generieren.“ Das Kennenlernen der Region – nicht nur für Initiator Bielenberg bei der Deutschland-Premiere von „Project M“ eine Entdeckungsreise der besonderen Art. Die 40 Jung-Kreativen aus den USA, Island, Indien, Japan, England, Griechenland, der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland erlebten FrankfurtRheinMain von vielen Seiten; sommerlich sonnig, frühherbstlich, kreativ, etabliert, fahrradfreundlich, undergroundig, kultig, weltoffen, interessiert, tanzwütig, widersprüchlich. Die abendlichen Dinnergespräche im Hafen 2 mit Machern aus der Region deuteten an, was Bielenberg meint, wenn er sagt: „Project M möchte junge Menschen zu Dingen motivieren, von denen eine kraftvolle Botschaft ausgeht.“ Am Ende des Kreativ-Camps brachte Professor Wilhelm Bender, als Vorsitzender des Vorstandes der Wirtschaftsinitiative und als Präsident des FrankfurtRheinMain e.V. das Projekt auf den Punkt: „Mit Project M haben wir ein Ereignis gestaltet, das für neue kreative Synergien in der Region sorgt und den Kreativstandort FrankfurRheinMain international stärker ins Rampenlicht holt. Um die Metropolregion als attraktiven Lebens- und Arbeitsraum weiter zu entwickeln, brauchen wir kreative Denker aus allen Bereichen.“ Think wrong!