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Karl-Heinz Streibich

Wie FRM „die“ Metropolregion wird

Der Vorstandsvorsitzende der Software AG über das Geheimnis allen Erfolgs

Herr Streibich, was verbindet Sie persönlich mit FrankfurtRheinMain?
Erstens wohne ich in Frankfurt. Und zweitens arbeite ich in Darmstadt. Beide Städte gehören ja zur Region.

Stammen Sie aus der Gegend?
Nein, ich bin Zugereister. Ich komme aus dem Badischen.

Trotzdem engagieren Sie sich sehr für die Region. Was liegt Ihnen am Herzen?
Die Region FrankfurtRheinMain ist das geographische Zentrum in Deutschland und hat die besten Voraussetzungen, „die“ Metropolregion in Europa zu werden.

Was für Voraussetzungen meinen Sie?
Der amerikanische Ökonom Richard Florida hat die Parameter für eine erfolgreiche Region benannt: Technologie, Talent und Toleranz – die drei Ts. Wenn man mal davon ausgeht, dass das stimmt, dann haben wir einiges zu bieten. Frankfurt steht für Internationalität, sprich Toleranz, Offenbach für Kreativität, Talent. Und wir arbeiten in Darmstadt an der Technologie. Wir haben 2010 den Spitzencluster-Wettbewerb der Bundesregierung gewonnen. Aber um in allen drei Bereichen top zu werden, ist noch vieles zu tun. Man muss die Stärken bündeln. Das ist das Geheimnis allen Erfolgs.

Bleiben wir bei der Technologie. Was verbirgt sich hinter dem Cluster?
Die IT-Häuser der Region Rhein-Main-Neckar haben sich unter dem Thema „Softwareinnovationen für das digitale Unternehmen“ zusammengetan, um zu einem Technologiezentrum von globaler Bedeutung aufzusteigen.

Wie muss man sich die Arbeit des Clusters vorstellen?
Erstens braucht man zwei, drei große Namen, die als Lokomotive ziehen, sprich Software AG, SAP, IDS Scheer. Zweitens braucht man ein gemeinsames Ziel. Unser Ziel war es zunächst, den Exzellenzclusterwettbewerb zu gewinnen. Drittens: Man muss über den Tellerrand gucken. Wer ist man denn von außen betrachtet? Von innen betrachtet ist eine Darmstädter Firma mit 500 Leuten eine große Firma. Wir sind aber auf dem Weltmarkt aktiv. Also ist der Weltmarkt unser Größenmaßstab. Und da sind wir klein. Wir sind viele Samenkörner, aber noch kein großes Maisfeld. Das muss noch werden.

Ist das zeitnah realistisch?
Das Silicon Valley gibt es seit mehr als 40 Jahren. Die ersten zehn, fünfzehn Jahre waren verdammt flach, bis es richtig losging. Wir sind noch in der flachen Kurve. Die ersten zehn Jahre sind die Jahre, die helfen, das Team zu etablieren und so weit zu stabilisieren, dass es sich selbst exponentiell entwickeln kann. In diese exponentielle Entwicklung muss man reinkommen.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass die Kurve mal stark ansteigt?
Erstens: Software ist auf Jahrzehnte hin der Innovationstreiber schlechthin. Zweitens: Wir fokussieren uns auf Unternehmenssoftware. Der Weltmarkt ist viele Milliarden groß und wächst weiter. Dritter Punkt: Die SAP und die Software AG sind heute schon Weltmarktführer in ihren Bereichen. Vierter Punkt: Was macht uns zuversichtlich? Einfach die Erfahrung, dass Erfolg machbar und planbar ist. Man muss nur dranbleiben, nicht nur über Jahre, sondern über Jahrzehnte.

SAP-Gründer Hopp engagiert sich auch sehr für die Region. Ist das ein Trend?
Ob das ein Trend ist, weiß ich nicht. Das interessiert mich auch nicht. Ich arbeite aus der Überzeugung heraus an diesem regionalen Thema, dass man ein stabiles System kreieren muss, um erfolgreich zu sein. In der Natur gibt es ausreichend Beispiele dafür. Nehmen Sie einen Wald, der nur große Bäume hat. Wenn ein Sturm kommt, fegt er die alle weg. Die einzig stabilen Wälder sind die, die an ihren Randgebieten kleine und mittelgroße Bäume mit abnehmender Größe haben. Dieses Ökosystem kann man auf Unternehmenssysteme übertragen. Aus innovativen Startups, mittelgroßen und ganz großen Unternehmen entsteht so ein stabiles System, das auch wetterfest im globalen Markt ist.

Martin Orth