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House of Logistics and Mobility

Die neue Drehscheibe der Region

Mit dem House of Logistics and Mobility (HOLM), das zwischen Flughafen und Frankfurter Kreuz entsteht, rückt FrankfurtRheinMain an die Weltspitze der Logistik vor.

Frankfurt Airport. Gateway Gardens. Hinter dem blumigen Namen verbirgt sich noch eine riesige Brache. Bauzäune, abgestecktes Baugelände und ein paar verlassene Wohnungen. Nur die frisch asphaltierten Straßen lassen erahnen, dass hier Zukunft entsteht. Auf dem Gelände lebten einmal 2500 amerikanische Soldaten und ihre Angehörigen. Mit Kino und Kirche, Elementary und Middle School, Cola und Barbecue. Geschichte. Jetzt steht Gateway Gardens für eine Vision. Auf dem 35 Hektar großen Areal soll bis 2016 ein urbaner Stadtteil für über 10000 Menschen nahe dem Flughafen entstehen, ein Zentrum der Zukunft. Mit Büros und Hotels, Cafés und Restaurants – und dem House of Logistics and Mobility (HOLM).

Ein Transparent an einer dieser übrig gebliebenen ockerfarbenen „Baracks“ und ein Schild mit dem Hinweis „2. Stock“ weist den Weg in die Zukunft. Dort sitzt das HOLM-Projektbüro, genauer gesagt Geschäftsführer Prof. Dr. Stefan Walter, Marketingleiter Dr. Jack Thoms und ihre zwölf Mitarbeiter. In fünf zusammengelegten Wohnungen ein saniertes und modernes Office. Die jungen Wissenschafts-Manager, Direktoren am Supply Chain Management Institute (SMI) der European Business School (EBS), erzählen von „ihrem“ Projekt, schwärmen fast, ohne Punkt und Komma. „Nach dem House of Finance jetzt das House of Logistics and Mobility“, sagt Professor Walter. „Die Region besinnt sich auf ihre Stärken.“ Ein Silicon Valley der Logistik soll das HOLM werden. Ein weltweit einmaliges und richtungweisendes Forschungs-, Bildungs- und Wissenstransferzentrum.

Die Voraussetzungen für ein derart ambitioniertes Projekt könnten kaum besser sein. FrankfurtRheinMain ist ein europäischer Hub, der im direkten Wettbewerb mit Dubai oder Singapur steht. 245000 Menschen beschäftigt die Branche in der Region. Vier der fünf größten regionalen Arbeitgeber kommen aus diesem Bereich. FrankfurtRheinMain ist mit dem Flughafen, dem Frankfurter Kreuz und dem Frankfurter Hauptbahnhof ein europäisches Drehkreuz, die am besten erreichbare Region in Europa. Zur wirtschaftlichen Stärke kommt die wissenschaftliche Kompetenz - an der Uni Frankfurt, der FH Frankfurt, der TU Darmstadt und der European Business School (EBS) in Wiesbaden, den Gründungsuniversitäten von HOLM. In Darmstadt lehrt mit Professor Dr. Hans-Christian Pfohl ein Mitbegründer des Logistikmanagements in Deutschland. Und das Supply Chain Management Institute (SMI) der EBS mit Präsident Prof. Dr. Christopher Jahns an der Spitze ist eines der weltweit führenden Institute für Einkauf, Logistik und Supply Chain Management.

Walter und Thoms sind fasziniert von der Idee, aus dem geografischen Nebeneinander von Unternehmen und Hochschulen ein eng vernetztes integriertes Cluster zu schaffen. Denn erst das Cluster mit einem fähigen Management mache alle Beteiligten erfolgreich. Stefan Walter bemüht gerne einen Vergleich aus dem Sport. „Es ist so, als wenn behauptet würde, eine Ansammlung von elf Profifußballern mache bereits einen erfolgreichen Fußballverein aus. Die Erfahrung zeigt: Es ist nicht so. Erst ein erfolgreiches Clubmanagement wie durch Uli Hoeneß beim FC Bayern hat den Verein dauerhaft an der Spitze etabliert. Das gilt für Cluster genauso.“

Und Walter geht noch einen Schritt weiter. „Die Leistungsfähigkeit von Industrie-Clustern wird nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen von der Stärke der lokalen Logistik-Cluster bestimmt. Im Zeitalter von Global Sourcing und Global Supply & Distribution Networks sind Einkäufer und Vertriebler auf ein reibungslos funktionierendes Supply Chain Management angewiesen. Und genau dieses können vernetzte Logistik-Cluster in einzigartiger Weise bieten. Neue Forschungen zeigen sogar, dass Logistik-Cluster für alle anderen Industrie-Cluster entscheidend für Unternehmenserfolg und Neuansiedlung von Unternehmen sind – und damit auch für die Region.“ Dabei beruft sich Walter auf Michael E. Porter, den bekannten Harvard-Ökonomen und „Vater der Clustertheorie“, den er einmal im Jahr besucht.

Zurzeit ist das Projektbüro allerdings noch mit der eigenen „Logistik“ beschäftigt. „Veranstaltungen, Konferenzen, Meetings und Gespräche, Gespräche, Gespräche“, sagt Stefan Walter. Die Dynamik ist spürbar. 70 Projektpartner wurden bereits gewonnen. Alle fünfzehn Hochschulen in Hessen sind inzwischen dabei. Sie decken über 90 Fachgebiete mit Logistik- und Mobilitätsbezug ab. 50 Professoren werden dauerhaft am House of Logistics and Mobility arbeiten, überwiegend von den Gründungsuniversitäten. 40 weitere Professoren werden in Projektbüros arbeiten. Hinzu kommen über 200 Wissenschaftler aus aller Welt. Einer von ihnen aus Harvard. Er wird die Cluster-Ideen von Michael E. Porter am HOLM vertiefen. Baubeginn soll noch 2010 sein. Denn fast 90 Prozent der geplanten Bruttogeschossfläche von 20 000 Quadratmetern sind bereits reserviert. Im Jahr 2012 heißt es dann „Go HOLM!"

Martin Orth