Nadia Qani
Eine lange Geschichte
Wie die Deutsche aus Afghanistan zur Unternehmerin in Frankfurt aufstieg
Es ist wie mit einem Kaleidoskop. Wenn Nadia Qani aus ihrem Leben erzählt, treten wie die bunten Steine im Innern des Kinderspielzeugs immer neue Facetten in den Vordergrund, um sich zu einem faszinierenden Gesamtbild zusammenzusetzen. Einzelne Farben leuchten besonders hell. Die Kindheit und Jugend in Afghanistan. Die Flucht vor den Russen 1980 nach Deutschland. Ihr Leben mit zwei Kindern in Frankfurt. Und schließlich der Aufbau ihres erfolgreichen Unternehmens. Ihre Erfahrungen machen die Nuancen in dem Farbspektrum aus. In Afghanistan war sie mit dem Enkel des ehemaligen Vizekönigs verheiratet. In Deutschland kam sie mit nur einer Handtasche und einem dünnen Kleid an. Sie schlug sich mit Putzjobs, als Kassiererin, Dekorateurin und Altenpflegerin durch – mit dabei hat sie immer ihren Rucksack mit Kleidern, um immer entsprechend angezogen zu sein. Nadia Qani sitzt im Bornheimer Büro ihres Pflegedienstes und erzählt und erzählt. Über die Bilder und Urkunden an den Wänden. Über ihr Engagement für afghanische Frauen und ihr Unternehmen. Über ihre 54 Mitarbeiter aus 23 Nationen, die ältere Menschen pflegen und die Muttersprache der Patienten sprechen. Und über ihren Stolz, seit ihrer Selbständigkeit 700 Menschen einen Job und damit ein Auskommen gegeben zu haben. Eine Tellerwäscherkarriere made in Germany. „Hier bin ich ein glücklicher Mensch geworden.“ Nadia Qani springt auf. Sie muss zum nächsten Termin. Sie wird aus ihrem Buch lesen, das im Herbst erschienen ist. „Ich bin eine Deutsche aus Afghanistan“. Eine lange Geschichte . . .
Martin Orth