Main-Taunus-Kreis
Gegensätze ziehen sich an
Wenn es um Gegensätze geht, hat der Main-Taunus-Kreis einiges zu bieten: Hightech und Handwerk, Landschaft und Kultur, Wirtschaftskraft und Landwirtschaft, lokale Spezialitäten und Global Player. Kleiner Landkreis – ganz groß
Rückblick: Das Gebiet, das heute den Main-Taunus-Kreis bildet, blickt auf eine beträchtlich wirre Territorialgeschichte zurück. Über Jahrhunderte war es zunächst dem Einfluss verschiedener weltlicher und kirchlicher Herren ausgesetzt. Die Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz hatten dabei ebenso ihre Hände im Spiel wie die Herren von Eppstein. Außerdem mischten auch der Landgraf von Hessen und die Isenburger kräftig mit. Über die Reichsdörfer Soden und Sulzbach dagegen hatten die Reichsstadt Frankfurt und Kurmainz gemeinsam die Schutzherrschaft. Erst Napoleon setzte der Kleinstaaterei im Rhein-Main-Gebiet ein zeitgemäßes Ende und sorgte dafür, dass das Gebiet 1806 erstmals in einer einzigen Landesherrschaft, dem Herzogtum Nassau, zusammengefasst wurde. Mehr als ein Jahrhundert später, am 1. April 1928, erhielt der Kreis durch das Preußische Landesgesetz mit der eher belanglosen Nummer 13.321 in einer Größe von nunmehr 222,4 Quadratkilometern am grünen Tisch seine Form. 227.055 Menschen aus 160 Nationen leben heute zwischen aufgetürmten Glasfassaden und trutzigen Burgmauern, emporstrebenden Kletterfelsen und in die Sonne geneigten Weinbergen, zwischen Erdbeerfeldern und dunklen Wäldern, zwischen dem Main und vom Wind durchwehten Taunuskämmen.
Mitten im Herz von FrankfurtRheinMain ist der drittwirtschaftsstärkste Landkreis Deutschlands somit sorgsam abgesteckt. Mit seinen 60 Prozent landwirtschaftlicher Nutzfläche und Wäldern bietet er ein Stück höchst idyllischer Natur. 17.300 angesiedelte Unternehmen liefern dazu den wirtschaftlichen Pulsschlag. Und wie selbstverständlich bietet die geografische Nähe zu den großen deutschen Verkehrsdrehscheiben (Frankfurter Flughafen, Frankfurter Kreuz und Frankfurt Hauptbahnhof) Weltnähe und Weltoffenheit. Vor allem global agierende Konzerne wissen die hervorragende Zentrallage zu schätzen. Von Coca-Cola, Procter & Gamble oder Samsung über die Deutsche Bank, die einen Teil ihrer Konzernzentrale in Eschborn hat, oder die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bis zur Deutschen Börse, die jüngst erst ihren neuen, „The Cube“ genannten Firmensitz in Eschborn bezogen hat, finden sich mehr als ein Dutzend Global Player im Main-Taunus-Kreis. Auch für Mittelständler sind die Standortvorteile bestechend. Wobei mittelständisch nicht weniger international sein muss. Bei der Fertigung von Papierschneidemaschinen, Tanzschuhen, Abfüllanlagen oder Diamantbohrern gehören Unternehmen aus „MTK“ zur Weltspitze. Der Kreis, so ist allerorten zu hören, ist wirtschaftlich gesund. Nicht verwunderlich, belegt er bei bundesweiten Standortrankings dank niedriger Arbeitslosenquote und hoher Kaufkraft regelmäßig Spitzenplätze. Beispiel Einkommenssteuerkraft: Hier rangiert der Main-Taunus-Kreis bundesweit auf Platz 2 hinter den Nachbarn aus dem Hochtaunuskreis, aber vor Starnberg. Und das schon seit Jahren. Fast folgerichtig, dass mit dem gerade wieder erweiterten Main-Taunus-Zentrum (MTZ) an der A66 auch das erste Einkaufszentrum Deutschlands im „MTK“ gebaut wurde.
Themenwechsel. Seine hohe Anziehungskraft erzielt der Kreis freilich nicht nur durch den starken Wirtschaftsfaktor. Generell kann man zwischen Eschborn und Hochheim verblüffend angstfrei in die Zukunft blicken. Der Kreis bietet auch jüngeren Bewohnern eine vielfältige Schullandschaft mit 55 leistungsfähigen Schulen und verfolgt zielstrebig den selbst auferlegten Ansatz, ein Bildungsangebot vorzuhalten, das die Begabungen aller Kinder fördert. Von der Schulsozialarbeit bis zur Hochbegabtenförderung, von den „Offensive Naturwissenschaften“ bis zur „Musikalischen Grundschule“ soll jedes Kind die bestmögliche Schulbildung erhalten und seine Talente entfalten können. So wird am Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Flörsheim ein Genlabor eingerichtet, und den Schülern der Konrad-Adenauer-Schule in Kriftel steht ein eigenes Lehrrestaurant zur Verfügung.
Und nicht umsonst liegt im Main-Taunus-Kreis die durchschnittliche Kinderzahl pro Haushalt mit 1,69 Kindern deutlich über dem Landesdurchschnitt (1,47). Das Attribut „familienfreundlich“ stimmt hier für eine ganze Region. Angefangen beim Wohnumfeld bis hin zur Kinderbetreuung. Mit dem Ergebnis, dass die Versorgungsquote bei der Betreuung der unter Dreijährigen im „MTK“ ebenfalls deutlich über dem hessenweiten Durchschnitt liegt. Und auch kulturell hat der Kreis mächtig aufgeholt. Vom Kurzfilmfestival „Shorts at moonlight“ in Hofheim und Bad Soden über die „Gallus-Konzerte“ in Flörsheim reihen sich heute oft kleine, aber feine kulturelle Leckerbissen aneinander oder versammeln sich in Ateliers und Galerien wie etwa auf dem „Zauberberg“ in Ruppertshain.
Ulrich Müller-Baun








